Die ungemein wehrhaft erscheinenden polygonalen Türme (Innendm. ca. 25 m) an der Außenseite der Umfassungsmauer von Romuliana sollten vorrangig die kaiserliche Macht symbolisieren. Ihre Funktion als Verteidigungsanlage trat erst für die Nachfolgesiedlungen des Palastes in den Vordergrund (nach Vasic 2007). Nach dem Rücktritt der beiden Augusti Diocletian und Maximian Herculius rückten die Caesares Galerius und Constantius (293–306), der Vater von Konstantin d. Gr. (306–336), an deren Stelle auf, und nach dem Tod des ranghöheren Constantius im Jahr 306 avancierte Galerius zum mächtigsten Mann des römischen Reiches. Die neu berufenen Caesares waren Maximinus Daia (305–313), ein Neffe des Galerius, und Licinius I. (308–324), der ebenfalls aus Dalmatien stammte.
Constantius Chlorus (293–306) stammte ebenfalls aus Dalmatien. Er war zeitgleich mit Galerius Caesar und verwaltete ab 305 die westlichen Reichsteile als Augustus. Sein Sohn war Konstantin I. (gen. d. Große), auf dessen Ehrenbogen sich dieses Porträt befindet (nach Bianchi-Bandinelli 1971). Wahrscheinlich hat Galerius diese Situation zum Anlass genommen, Romuliana mit der heute noch sichtbaren, drei Meter dicken Mauer zu umgeben, welcher zudem 20 gleichmäßig auf die vier Seiten verteilte Türme mit zwölfeckigem Grundriss vorgelagert waren. Die ungewöhnlich starken und eng beieinander stehenden Türme vermittelten dem Betrachter schon von weitem einen gewaltigen Eindruck, während ihre tatsächliche fortifikatorische Wirksamkeit anscheinend niemals ernsthaft unter Beweis gestellt werden musste. Da Romuliana nicht der einzige Amtssitz für Kaiser Galerius war - seine Hauptresidenz befand sich in Thessaloniki - , konnte er allenfalls vorübergehend von hier aus die Amtsgeschäfte führen. In der Zeit seiner Abwesenheit ließ er sich durch eine überlebensgroße Statue aus rotem Porphyr "vertreten". Dieser Stein wurde in einem Steinbruch in Unterägypten speziell für den kaiserlichen Bedarf gewonnen. Die Statue oder Statuengruppe - es gibt Fragmente von einer zweiten, gleichgroßen Figur, die möglicherweise seinen amtierenden Caesar Licinius darstellte - könnte in der erhöhten Apsis des großen Audienzsaales gestanden haben, wo auch der Platz für den Kaiserthron vermutet wird.
