Diocletian
Die heute im Markusdom zu Venedig befindliche Statuengruppe der vier Kaiser der von Diocletian gegründeten ersten Tetrarchie war ursprünglich im oberen Bereich eines etwa 7 m hohen Säulenmonumentes angebracht (nach Bianchi-Bandinelli 1971).
Um die Wende vom 3. zum 4. Jh. n. Chr. waren die sedes imperii über das ganze römische Reich verteilt. Besonders viele kaiserliche Residenzen befanden sich in den Balkanprovinzen, weil Diocletian, Galerius und mehrere ihrer Mitkaiser aus dieser Region stammten (Grafik: K. Ruppel nach Vorlage v. Bülow). Im Jahr 284 wurde der Kommandant der kaiserlichen Leibwache, C. Aurelius Valerius Diocletianus, von den ihm untergebenen Soldaten in Nicomedia (heute Izmit, Türkei) zum Kaiser ausgerufen. Damit gehört er in die Reihe der "Soldatenkaiser", entwickelte sich allerdings zum Überwinder dieses Phänomens, einer Krise im römischen Herrschaftssystem. Er leitete ein umfangreiches Reformwerk ein, indem er die Provinzeinteilung neu organisierte und die bisher existierenden etwa 50 Provinzen in ungefähr 100 kleinere, besser zu verwaltende, d.h. zu beherrschende Territorialeinheiten aufteilte. Er veranlasste auch eine Neugliederung des römischen Heeres. Insgesamt schuf er entscheidende Grundstrukturen für das Herrschaftssystem der Spätantike. Dazu gehörte auch, dass er das schon von einigen Vorgängern praktizierte Mehrkaisertum institutionalisierte und zwar in Form der Tetrarchie (Viererherrschaft).
Diese umfasste zwei Augusti und zwei nachgeordnete Caesares, die jeweils für die Verwaltung und die Verteidigung eines genau bestimmten Teils des Gesamtreiches zuständig waren. Nach Diocletians Willen sollten die Augusti nach 20 Regierungsjahren zurücktreten, die bisherigen Caesares zu Augusti aufrücken und sich neue Caesares berufen. Es ist in der Geschichte des römischen Kaisertums ein einmaliger Vorgang, dass sich Diocletian und sein Mit-Augustus Maximian Herculius im Mai des Jahres 305 aus der aktiven Politik zurückzogen.
Während Diocletian bis zu seinem Tod im Jahr 316 als senior Augustus in seiner Altersresidenz in Aspalathos an der östlichen Adriaküste (heute Split, Kroatien) lebte und auch dort begraben wurde, griff Maximian Herculius nach zweijährigem Ruhestand erneut nach der Macht, scheiterte aber letztlich und musste sich im Jahr 310 selbst töten.
Der antike Säulenumgang des Mausoleums hat sich an der Außenseite der Kirche erhalten (Foto: v. Bülow).
Nach seinem selbst verkündeten Rücktritt aus der aktiven Politik ließ sich Kaiser Diocletian in Aspalathos an der dalmatinischen Adriaküste (heute Split, Kroatien) nieder. Als senior Augustus empfing er auch hier offizielle Gäste. In einem achteckigen Mausoleum, das wahrscheinlich schon im 7. Jh. zu einer dem christlichen Märtyrer Domino geweihten Kathedrale umgebaut wurde, erhielt er seine letzte Ruhestätte - der erste Kaiser, der nicht in der "ewigen" Stadt Rom beigesetzt worden ist (nach S. McNally, Antike Welt 10,2, 1979).
